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Karl Amadeus Hartmann:
"Concerto funebre" for violin and strings

(English and German)

Karl Amadeus Hartmann (1905-1960) was born into an artistic family in Münich. In his beginnings he composed in a mixture of Futurism, Jazz and Dadaism. When the National Socialists took power in 1933 his music was denounced as "degenerate" (entartet). He chose inner emigration and until the end of the war he mainly composed for the drawer, visons of terror, accusation and compassion. After the war Hartmann directed the "Musica Viva"-concerts in Münich and was an energetic and generous advocate for new music and arts.

Hartmann wrote to his friend the conductor Herrmann Scherchen on July 20th 1939 that he planned a "music of mourning" in one movement. At the end it became the "Concerto funebre" for violin and strings in four movements. He dedicated the work to his then four year old son with the following explanations:

"The four movements Choral - Adagio - Allegro - Choral follow one another without interruption. In a time of hopelessness for all things spiritual the two chorals at the beginning and at the end were a statement of confidence. The first choral is mainly in the solo violin without accompaniment of the orchestra which only joins in the cadence. The second choral at the end has the character of a slow march with a songlike melody. The lament of the Adagio is interrupted by episodes reminding of a funeral march, all being melody and sound. The Allegro in hammering eigth-notes releases rhythmic and dynamic forces. I wanted to write down everything I thought and felt and from this followed form and melos."

In fact Hartmann formulated his desperation about the political situation in the Third Reich, and additionally his outrage about the events of the year: The German annexation of Czechoslovakia and the jubilant official celebrations after the victory over Poland.


Hussite Song in the Hymn Book of Jidebnize 1430


As was his habit he used musical quotations: The first movement relates to Czechoslovakia with the old song of the Hussites from 1420 "Warriors for God are fighting" as written up in the hymn book of Jidebnize from 1430. And the final movement quotes the funeral march and song from the Russian Revolution of 1905 "Immortal victims", which Herrmann Scherchen had brought back and translated after having been prisoner of war in Russia. The "concerto funebre" was Hartmanns last work performed during the war, not in Germany but in St.Gallen, Switzerland, under the baton of Richard Klug, with whom Hartmann's brother Richard had found refuge from persecution by the Nazis.



Karl Amadeus Hartmann:
"Concerto funebre" für Violine und Streichorchester

Karl Amadeus Hartmann (1905-1963) wurde in eine Münchner Künstlerfamilie geboren und komponierte anfangs in einem Stilmix von Futurismus, Jazz und Dada. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde seine Musik als "entartet" gebrandmarkt. Er wählte die innere Emigration und komponierte bis Kriegsende im Wesentlichen für die Schublade Werke, die erfüllt sind von Visionen des Schreckens, von Anklage und Mitleiden. Nach dem Krieg war Hartmann in München ein energischer und grosszügiger Förderer der neuen Musikergeneration unter anderem als Leiter der Reihe "Musica viva".

Das "Concerto funebre" war ursprünglich mit dem Titel "Trauermusik" als einsätziges Werk für Streichorchester geplant, wie aus einem Brief vom 20.7.1939 an den Freund Herrmann Scherchen hervorgeht. Es wurde dann ein viersätziges Konzert für Geige und Streichorchester daraus. Im Anhang zu der Widmung an seinen damals vierjährigen Sohn Richard lieferte Hartmann eine eigene Beschreibung des Werkes:

"Die vier Sätze, Choral - Adagio - Allegro - Choral gehen pausenlos ineinander über. Der damaligen Aussichtslosigkeit für das Geistige sollte in den beiden Chorälen am Anfang und am Ende ein Ausdruck der Zuversicht entgegengestellt werden. Der erste Choral wird hauptsächlich von der Solostimme getragen. Das Orchester, das nicht begleitet, übernimmt nur die Kadenzierung. Der zweite Choral am Schluss hat den Charakter eines langsamen Schreitens mit einer liedartigen Melodie. Die Klage im Adagio, unterbrochen von trauermarschartigen Episoden steht im Zeichen der Melodie und des Klanges. Das Allegro - mit hämmernden Achtelnoten - entfesselt rhythmische und dynamische Kräfte. Ich wollte alles niederschreiben, was ich dachte und fühlte, und das ergab Form und Melos."

Hartmann drückte seine Verzweiflung über die politischen Zustände im Dritten Reich aus, dazu aus aktuellem Anlass seine Empörung über den Deutschen Einmarsch in die Tschechei und über die offiziellen Jubelfeiern anlässlich des Deutschen Sieges über Polen.

Wie in anderen Werken baute er musikalische Zitate ein: Der erste Satz hat einen Bezug zur Tschechei, denn er wird von der Sologeige eröffnet mit dem alten Hussitenlied von 1420 «Die Ihr Gottes Streiter seid», das im Kanzionale (Hymnenbuch) von Jizebnize (1430) überliefert ist. Der Schlusssatz zitiert den in der Russischen Revolution von 1905 gesungenen Trauermarsch "Unsterbliche Opfer, ihr sanket dahin", den Herrmann Scherchen in Russischer Kriegsgefangenschaft kennengelernt und auf Deutsch übersetzt hatte. Das Concerto funebre war das letzte Werk Hartmanns, das in der NS-Zeit noch aufgeführt werden konnte, und zwar nicht mehr in Deutschland, sondern 1940 in St.Gallen, Schweiz unter der Leitung des Dirigenten Erich Klug, bei dem Hartmanns Bruder Richard auf seiner Flucht untergekommen war.