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Maurice Ravel (1875-1937)

Tzigane - A Provocation

Maurice Ravel in 1922 had heard Jelly d'Aranyi, the fiery grandniece of Joseph Joachim in his sonata for violin and violoncello and afterwards he made her improvise gipsy melodies until five o clock in the morning, accompanying her at the piano. April 8th 1922 in Paris she played with Bartok his first sonata in a private concert for the editor of the "Revue Musicale". In fact d'Aranyi was the muse who had recently released Bartok from a prolonged creative standstill and both his violin sonatas were written for her. Page turner for Bartok was Ravel, and for d'Aranyi it was Poulenc. Also present were Stravinsky, Szymanowski, Milhaud, Honegger and Roussel. D'Aranyi spoke of the most thrilling concert of her life, but she was relieved that Bartok left the other day, because he was an uneasy company. At this concert Ravel told Bartok: "For our friend who plays so effortlessly you have convinced me to write a piece which in his diabolical difficulty will revive the Hungary of my dreams, and why will we not call it Tzigane?".

This was a clear provocation because Bartok had recently made clear in the Paris "Revue Musicale" how much he abhorred gipsy music and all the pseudohungarian compositions of Liszt and Brahms. He considered them as unauthentic. Ravel however was sure that the piece would make a big effect, his sole concern was if it could be played. D'Aranyi received the score only two or three days before the first performance 1924 in London. Originally Ravel wrote for a so-called Luthéal, an attachment to the piano which could sound like a cymbalom. Thats why Kopatchinskaja took the liberty to invite her father to play the piano part on the cymbalom for her recording for NAIVE.

Bartoks two violin rhapsodies (1928) are similar to the Tzigane, being in two parts and slow-fast. Szigeti thought that they could well be Bartoks "authentic" riposte to Ravels piece. If Bartok probably lacked the humour necessary to appreciate the Tzigane, Ravel was not fixed on authenticity: He took ironic pleasure in his Japanese salon which was only furnished with falsifications. And the main piece of his collection was a precious smoke quartz ball sitting in a socket painted by himself – really an lightbulb blackened by age. Guests always had to admire these objects reverently before Ravel would break into laughter and admit to the sham.

For playing Ravel there exists the elegant abstractly esthetic tradition of the French Salons. But Patricia Kopatchinskaja grew up with the Eastern-European folklore of her parents. When a small child she danced to it on stage. In the Tzigane she hears the origins, the village feast, the violent eroticism, at one point also the squeaking wheels of the donkey cart, she wants to bring this out even if it scratches and squeaks… Hear it here (We thank Prof. Nobuhiro Ito from Musicology, Osaka University for helpful informations)

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Tzigane - eine Provokation

Maurice Ravel hatte Jelly d'Aranyi schon Anfang 1922 in seiner Sonate für Violine und Violoncello gehört und danach musste sie ihm bis 5 Uhr morgens Zigeunermelodien improvisieren, er begleitete am Klavier. Am 8.April 1922 spielte d'Aranyi mit Bartok in einer Pariser Einladung des Herausgebers der "Revue Musicale" Bartoks erste Sonate. Seitenwender für Bartok war Ravel, für d'Aranyi Poulenc. Dabei waren auch Stravinsky, Szymanowski, Milhaud, Honegger und Roussel waren da. D'Aranyi sprach vom aufregendsten Konzert ihres Lebens, war aber froh, dass Bartok anderntags wieder abreiste, weil er eine schwierige Gesellschaft sei. Ravel sagte dort zu Bartok: "Sie haben mich überzeugt, unserer so anstrengungslos spielenden Freundin ein kleines Stück zu schreiben, dessen diabolische Schwierigkeit das Ungarn meiner Träume auferstehen lassen wird – und, da es für Geige sein wird, wieso nennen wir es nicht Tzigane?".

Das war eine gezielte Provokation, denn Bartok hatte unlängst in der Pariser "Revue Musicale" klargemacht, wiesehr er Zigeunermusik und die ungarisierenden Kompositionen von Liszt und Brahms als unecht verabscheue. Ravel hingegen war sich sicher, dass das Stück einen grossen Effekt machen würde, sorgte sich nur, ob es spielbar sei. D'Aranyi erhielt die Noten erst zwei oder drei Tage vor der Uraufführung von 1924. Ursprünglich schrieb Ravel die Klavierstimme für das sogenannte Luthéal, ein Aufsatz auf den Flügel, der tönen konnte wie ein Cymbalom. Deshalb nahm sich Kopatchinskaja die Freiheit, für ihre Aufnahme bei NAIVE ihren Vater einzuladen, den Klavierpart auf dem Cymbalom zu spielen. Bartoks zwei Geigenrhapsodien (1928) sind ähnlich wie die Tzigane zweiteilig langsam-schnell, und Szigeti meinte, sie könnten Bartoks «authentische» Antwort auf die Tzigane sein. Den Humor, um die Tzigane zu schätzen hatte Bartok wohl nicht. Ravel dagegen war nicht auf Echtheit fixiert, z.B. hatte er eine ironische Freude an seinem japanischen Salon, der ausschliesslich Fälschungen enthielt. Und Vorzeigestück seiner Sammlung war ein kostbarer, runder Rauchquartzkristall der in einem von ihm eigenhändig bemalten Sockel steckte - tatsächlich eine vor Alter geschwärzte Glühbirne. Die Gäste mussten diese Objekte jeweils andächtig bewundern, bevor er die Täuschung lachend eingestand.

Für Ravel gibt es die elegante abstrakt-ästhetische Spieltradition der Französischen Salons. Aber Patricia Kopatchinskaja ist mit der osteuropäischen Volksmusik ihrer Eltern aufgewachsen und hat dazu schon als Kind auf der Bühne getanzt. Sie hört die Herkunft der Tzigane, das Dorffest, die gewalttätige Erotik, an einer Stelle auch das Räderquietschen der Eselskarrens, das will sie herausbringen, auch wenn es kratzt und quietscht... Hier anhören (Dank an Prof. Nobuhiro Ito (Musikologie, Universität Osaka) für wertvolle Hinweise).

 

Sonate für Violine und Klavier

Ravel komponierte die Violinsonate ab 1923 und brachte sie 1927 mit dem Geiger Georges Enescu zur Uraufführung. Es ist ein transparentes Werk, in dem die beiden Instrumente selbständige, einander gegenüber gestellte Parts haben. Der Klaviersatz ist durchgehend zwei- oder dreistimmig. In den vier Themen des ersten Satzes tauchen Reminiszenzen aus Epitaph pour Ronsard und aus L'Enfant et les Sortilèges auf. Der zweite Satz - Blues, Moderato - verweist auf Ravels Beschäftigung mit dem Jazz. Nicht eine Stilkopie wird hier angestrebt, sondern Ravel verwendet den Blues als Inspirationsquelle. "Ich habe zwar diese populäre Form übernommen", sagte er 1928 während einer USA-Reise, "aber ich wage zu behaupten, dass die Musik, die ich geschrieben habe, trotzdem französisch ist, Ravels Musik". Der dritte Satz - Perpetuum mobile - gerät aus einem zuerst stockenden Impuls heraus in eine durchgehend abschnurrende Bewegung, in der Motive aus dem Kopfsatz und dem Blues aufgegriffen und verarbeitet werden (Walter Kläy).

 

Introduction et allegro für Harfe, Flöte, Klarinette und Streichquartett (1905)

Eines der einfallsreichsten Werke des Komponisten. Material aus der Einleitung gibt auch die Themen des Allegros. Deren dichter Verarbeitung folgt nach Harfenkadenz Reprise und Coda. Ravel schrieb dazu in einem Brief: "Die letzten Tage vor meiner Abreise (zu einer Kreuzfahrt auf Flüssen und Kanälen in Belgien, Holland und Deutschland) war ich entsetzlich beschäftigt, wegen eines Auftrages der (Harfen- und Klavierbau-) Firma Erard für ein Harfenstück. Acht Tage härteste Arbeit und drei durchwachte Nächte waren nötig, um es - mehr schlecht als recht - fertig zu schreiben". Und als er endlich mit den Eheleuten Edwards und den Malern Pierre Bonnard und Pierre Laprade auf der Yacht war ergänzte er "Der Albtraum der letzten Tage ist vergessen".