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Francis Poulenc (1899-1963)

Violinsonate Nr.4 op. 119, FP119 (1942-43/1949)

    1. Satz: Allegro con fuoco
    2. Satz: Intermezzo. Très lent et calme
    3. Satz: Presto tragico - Strictement la double plus lent (1949)

Francis Poulenc war einerseits ein leichtlebiger Humorist: Seine mit 18 Jahren geschriebene Rapsodie nègre (1917) für kleines Ensemble und Bariton ver­wendet die dadaistischen Nonsens-Texte eines nichtexistierenden afrikani­schen Dichters namens Makoko Kangourou. Diese Sünde verschloss ihm zwar die Türen des Pariser Konservatoriums, weckte jedoch das Interesse von Igor Stravinsky. Poulenc gehörte u.a. mit Honegger und Milhaud zur Pariser Groupe des Six, die sich gegen den Überschwang der Wagnerianer und Romantiker ebenso wehrte wie gegen die Verschwommenheit des Im­pressionismus. Poulenc war im Kunstleben von Paris verwurzelt, kannte alle Dichter und Maler, arbeitete auch für die Ballets Russes von Diaghilev. Wie sein Freund Milhaud bewegte er sich gerne in der leichten Welt von Vaudeville und Music-Hall. Aber im Laufe seines Lebens wurde Poulenc ein tiefgläubiger Katholik. Der Kritiker Claude Rostand charakterisierte ihn deshalb mit der be­rühmten Formel „moine et vouyou“, - „Mönch und Schelm“. So überrascht es nicht, dass zu Poulencs Vorbildern  Mozart gehörte, bei dem ja auch die ganze Spannweite vom Unernsten (Papageno) bis zum Ernsten (Requiem) vorhanden ist.

Die Violinsonate op.119 wurde 1942 im besetzten Paris von der Ausnahmegeigerin Ginette Neuveu bestellt und 1943 dort uraufgeführt. Sie ist dem Dichter (und Musiker) Federico García Lorca zugeeignet, der 1936 im Spanischen Bürger­krieg von den Faschisten ermordet wurde. Zwar hat die Sonate einen tragisch-heroischen Charakter. Doch der Schalk verlässt Poulenc auch hier nicht: Durch das ganze Werk geistert immer wieder die Jazzmelodie „Tea for two“, ein aus den USA stammender und damals im besetzten Paris verbotener Jazz-Standard, auch das eine politische Aussage.

Nachdem Neveu 1949 bei einem Flugzeugabsturz ums Leben umgekommen war ersetzte Poulenc den ursprünglichen dritten Satz durch ein „Presto tragi­co“, das so unvermittelt endet wie das Leben der Ginette Neuveu.