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Darius Milhaud (1892-1974)

Le boeuf sur le toit - Cinéma Fantaisie, op. 58
(1919, Violinfassung 1921)

Darius Milhaud gehörte wie Poulenc zur Groupe des Six. Während eines Brasilienaufenthalts 1916 bis 1918 lernte er die dortige Folklore kennen. Nach Paris zurückgekehrt schrieb 1919 diese virtuose Collage brasilianischer Melodien für Orchester. Der ursprüng­liche Titel Cinéma-Fantaisie verrät, dass Milhaud sich eine Verwendung in einem Stummfilm, z.B. von Charlie Chaplin vorstellte.

Zur Uraufführung kam das Stück allerdings 1920 mit einer von Jean Cocteau kreierten absurden Ballett-Pantomime, welche die Zustände unter der amerikanischen Alkoholprohibition verulkt: Allerlei zwielichtige Gestalten mit grossen Köpfen aus bemaltem Papier-Maché geben sich Rendez-vous in der „Doing-nothing Bar“, u.a. ein Barmann, ein Boxer, eine Frau in Männer­kleidung, ein Zwerg und ein Buchmacher. Dann tritt ein Polizist auf und sofort wird nur noch Milch ausgeschenkt. Aber der Polizist wird geköpft. Im Gegen­satz zur lebhaften Musik bewegten sich diese Figuren ganz langsam. Milhaud war allerdings über die Verwendung seiner Musik in einer derartigen Clownerie nicht glücklich.  

In diesem Potpourri sorgen permanente Wechsel von Rhythmus und Tonart für Unruhe und Abwechslung. An gewissen Stellen reiben sich gleichzeitig bis vier verschiedene Tonarten aneinander (sog. Polytonalität). Die Bearbeitung für Violine und Klavier stammt von 1921.