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Karl Amadeus Hartmann

Concerto funebre für Violine und Streichorchester

In eine Münchner Künstlerfamilie geboren komponierte Hartmann anfangs in einem Stilmix von Futurismus, Jazz und Dada. Mit der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahr 1933 wurde seine Musik als "entartet" gebrandmarkt. Er wählte die innere Emigration und komponierte bis Kriegsende im wesentlichen für die Schublade Werke, die erfüllt sind von Visionen des Schreckens, von Anklage und Mitleiden. Nach dem Krieg war Hartmann in München ein energischer und grosszügiger Förderer der neuen Musikergeneration unter anderem als Leiter der Reihe "Musica viva".

Das "Concerto funebre" war ursprünglich mit dem Titel "Trauermusik" als einsätziges Werk für Streichorchester geplant, wie aus einem Brief vom 20.7.1939 an den Freund Herrmann Scherchen hervorgeht. Es wurde dann ein viersätziges Konzert für Geige und Streichorchester daraus. Im Anhang zu der Widmung an seinen damals vierjährigen Sohn Richard lieferte Hartmann eine eigene Beschreibung des Werkes: "Die vier Sätze, Choral - Adagio - Allegro - Choral gehen pausenlos ineinander über. Der damaligen Aussichtslosigkeit für das Geistige sollte in den beiden Chorälen am Anfang und am Ende ein Ausdruck der Zuversicht entgegengestellt werden. Der erste Choral wird hauptsächlich von der Solostimme getragen. Das Orchester, das nicht begleitet, übernimmt nur die Kadenzierung. Der zweite Choral am Schluss hat den Charakter eines langsamen Schreitens mit einer liedartigen Melodie. Die Klage im Adagio, unterbrochen von trauermarschartigen Episoden steht im Zeichen der Melodie und des Klanges. Das Allegro - mit hämmernden Achtelnoten - entfesselt rhythmische und dynamische Kräfte. Ich wollte alles niederschreiben, was ich dachte und fühlte, und das ergab Form und Melos."  Speziell wollte Hartmann offenbar neben seiner Verzweiflung über die politischen Zustände im Dritten Reich seine Wut über die offiziellen Jubelfeiern anlässlich des Deutschen Sieges über Polen ausdrücken. Wie in anderen Werken baute er im Schlussatz ein musikalisches Zitat ein: Den in der Russischen Revolution von 1905 gesungenen Trauermarsch "Unsterbliche Opfer, ihr sanket dahin".  Das Concerto funebre, war das letzte Werk Hartmanns, das in der NS-Zeit noch aufgeführt werden konnte, und zwar 1940 in St.Gallen, Schweiz unter der Leitung des Dirigenten Erich Klug, bei dem Hartmanns Bruder Richard auf seiner Flucht untergekommen war.