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John Cage

Variations I (1958)

Cage schrieb über seine Variations I für David Tudor: "Dies ist eine Komposition, die ihre Aufführung nicht festlegt. Es wird Material zur Verfügung gestellt, aus dem der Aufführende selbst seine Stimme herstellt. Es gibt sechs durchsichtige Folien, eine hat Punkte in vier Grössen, fünf haben jeweils fünf Linien. Letztere sind fünf Klangparameter (Tonhöhe, Klangfarbe, Dauer und Erscheinen etc.), die Punkte sind akustische Ereignisse, deren Eigenschaften dadurch bestimmt werden, dass man Senkrechte von ihnen zu den Linien zieht. Das Material kann in jeder beliebigen Position gelesen werden. Die zusätzlichen Materialien haben wenig Punkte. Sie sind sinnvoll, wo zusätzliche Aufführende ihre Stimme zur gleichen Zeit vorbereiten."

Diese Partitur stürzt einem anfangs in Verwirrung. Doch Qual des Unverständnisses und Furcht vor Neuem vergehen bald, denn wie eine Sternenkarte öffnen die Variations I der Vorstellung Räume, Zeiten und Materialien. Faszinierend ist die Paradoxie der gleichzeitig genau festgelegten und doch höchst frei benutzbaren Parameter, sowie das umfassende Angebot an die Beteiligten, vor- und nachzudenken, mitzutun und spontan zu reagieren. Mir kam dazu ein - wie es scheint recht Cage-freundlicher  - Gedanke, nämlich die von Cage vorgeschriebene Gebrauchsanweisung ebenfalls als Klangmaterial zu verwenden. Somit erhält die vieldeutige verbale Explikation der Spielregeln neues Leben und macht den Ablauf der Variationen für den Zuhörer einigermassen hörbar. Folgende Aussage von Cage (1949) unterstützt diese Überlegung: "Struktur ohne Leben ist tot. Aber Leben ohne Struktur ist nicht wahrzunehmen. Pures Leben drückt sich durch Struktur aus". Durch eine Muse, die die persönliche Billigung von John Cage einflüsterte, kam mir weiter die Idee, auch die Interpunktionszeichen der Gebrauchsanweisung pantomimisch darzustellen. Man folge nur aufmerksam dem Text... (P.K.) 

Hier Patricias Versuch einer gedankliche Umsetzung:

cage