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Johannes Brahms

Violinkonzert D-Dur, op. 77 (1878)

Das Konzert wurde für den Freund Joseph Joachim geschrieben. Ungarische und zigeunerische Einflüsse sind in der improvisierenden Einleitung des ersten Satzes und im Finale spürbar. Sie mögen u.a. von Joachims eigenem Konzert "im ungarischen Stil" (1861) stammen, das Brahms sehr schätzte. Auch wurden Sarasates Zigeunerweisen im Kompositionsjahr in Leipzig uraufgeführt. Bekanntlich hat aber Sarasate das Brahms-Konzert nie gespielt, weil er im zweiten Satz nicht zuhören mochte, wie die Oboe die einzige Melodie des Stückes vorführe.

Bronislav Hubermann spielte 1896 im Alter von 13 Jahren dieses Konzert in Wien derart, dass dem im Saal anwesenden Brahms die Tränen kamen. Er schenkte Hubermann eine Widmung "Dem genialen Bronislaw Hubermann zur freundlichen Erinnerung an Ihren höchst vergnügten und dankbaren Zuhörer Johannes Brahms" und einige Tage danach auch sein Bild. Zum Glück gibt es eine gute Aufnahme des Brahmskonzertes mit Hubermann, welche für eine historische Aufführungspraxis den Masstab setzen kann.

 

Klarinettenquintett h-Moll, op.115 (1891)

I.Allegro - II.Adagio/piu lento - III.Andantino / Presto non assai, ma con sentimento - IV.Con moto (con variationi)

1891 in einem Zeitpunkt, als Brahms sein Komponieren schon abgeschlossen glaubte, lernte er Richard Mühlfeld (1856-1907) kennen, den Soloklarinettisten des damals berühmten Meininger Hoforchesters. Eine ganze Nacht lang ließ er sich vorspielen, so begeistert war er von dessen Kunst. Später sprach er von Mühlfelds Klarinette als "Nachtigall des Orchesters", von "Fräulein Klarinette", ja er stellte angeblich diesen sogar als "Fräulein von Mühlfeld, meine Primadonna" vor.

Das "Fräulein Klarinette" regte Brahms zu einer wunderbaren Spätblüte von vier Klarinettenkompositionen an:  Klarinettenquintett, Klarinettentrio und zwei Klarinettensonaten. Das Klarinettenquintett schrieb er 1891 in seinem Sommeraufenthalt in Bad Ischl. Wie sein Mozart'sches Schwesterwerk gehört es zu den grössten Monumenten der Kammermusik. Es ist mit seiner Melancholie und seiner inneren Glut vielleicht das kammermusikalische Meisterwerk von Brahms überhaupt. Die Uraufführung durch Mühlfeld war am 12. Dezember 1891 in der Berliner Singakademie gemeinsam mit dem Joachimquartett. Mühlfeld machte seinerseits auf zahlreichen Konzertreisen Brahms' Kammermusikwerke bekannt.

 

Piano quartet Nr.3, c-minor op.60 (1855/1875)

Francis Humphrys, Director of the Bantry Festival wrote the following text for our concert in the 2003 Festival:

"On the cover you must have a  picture, namely a head with a pistol to it. Now you can form some conception of the music! I'll send you my photograph for the purpose. You can use a blue coat, yellow breeches and top-boats, since you like colour-printing..."  These were the instructions to his publisher Simrock for the printing of the score of the C minor piano quintet. The man in the blue coat and the yellow breeches ist the archetypic romantic hero, Werther who shoots himself in the last chapter of Goethes novel because his anguished and unrequited love for a married woman, whose husband he admires.

Brahms of course is talking about his relationship with Clara Schumann, and the twenty years spent on the composition of this work began in Düsseldorf in 1853 when he was acting as Clara's knight errant, while Robert was locked up in the Sanatorium at Endenich. We shall never know why they never married after Robert's death in 1856 - it seems that they were both so proud and independent that they felt their personal destinies were best worked out apart from each other - but their love never diminished. Most of Brahms music was composed for her and she and the violinist Joachim would nearly always be the first people to see his scores. And although Clara was 14 years older than Brahms, he survived her less than a year after she died in May 1896.

"I speak in my music" wrote Brahms and of no work is this truer than this quartet. The key of C minor was for Brahms, as for Beethoven, the key of intensity, drama and restlessness. The piano opens with a summons, to which the strings reply with a two note phrase that speaks the name of Clara, immediatly followed by a transposed version of Schumann's Clara-theme. A stormy transition leads to the richly romantic second subject, which gives rise to as small group of four variations. The third of these becomes massively vehement and the last most ardently longig, leading us inevitbly to a variant of the Clara-sigh and thence straight into the development. There is some evidence that the Scherzo was the finale of the original quartet written in 1856. The powerful rhythmic drive that grows from the tense opening is only interrupted by a brief chant-like second theme. The ending is brutally abrupt. The andante begins with one of Brahms most luxuriant cello melodies growing into a rapt duet between the cello and the violin which becomes a healing song of sorrow. The opening of the finale reminds us of the last movement of the G major sonata. The final cadence is clearly Werther pulling the trigger.

Comment: That's a far cry from old, stuffy and overweight Brahms and asks for a passionate interpretation (which however seemed strange to a critic).

 

Klavierquintett f-moll, op. 34 (1864)

    Allegro ma non troppo – poco sostenuto – Tempo I
    Andante un poco Adagio
    Scherzo, Allegro – Trio
    Finale: Poco sostenuto – Allegro non troppo – Tempo I – Presto, non troppo

Brahms Klavierquintett ist die dritte und letzte Fassung einer Komposition, die zunächst 1861/2 als Streichquintett (nicht erhalten) entstand, das von Clara Schumann am Klavier studiert und begeistert begrüsst wurde: "Ich weiß nicht recht, wie ich's anfangen soll, Dir mit ruhigen Worten zu sagen, welche Wonne ich an Deinem Quintett habe. Ich habe es viele Male gespielt, und mir ist das Herz ganz voll davon! Das wird ja immer schöner, herrlicher!"  Auch der mit Brahms befreundete Geiger Joseph Joachim äußerte sich nach Erhalt der Noten zwei Monate später enthusiastisch über das Werk: "Es ist, soviel ist mir gleich klar, ein Stück von tiefster Bedeutung, voll männlicher Kraft und schwungvoller Gestaltung". Erst als er das Streichquintett mit anderen Musikern geprobt hatte, meldete er Bedenken: „So wie das Werk jetzt ist möchte ich es nicht öffentlich produzieren – aber nur weil ich hoffe, Du änderst einige selbst mir allzu groben Schroffheiten und lichtest hie und da das Kolorit“.  Es entstand darauf im Frühjahr 1864 eine Sonate für zwei Klaviere (publiziert als op 34 bis), die im Herbst 1864 endlich zum Klavierquintett wurde. Ein Werk symphonischen Ausmasses, Clara Schumann meinte sogar, es brauche ein Orchester für dieses Material. Jedenfalls würde man beim Hören nie denken, dass das Stück einmal für zwei Klaviere gedacht war.