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  Der freie Flug als Ziel
Rhein-Neckar-Zeitung, 23.3.2005
Interview von Rainer Köhl

Violiste met orkest dat heel graag wil
De Gelderlander, Nijmegen, 6.1.2005
Interview door Madeleine Rood (Dutch)

"Rüttihubeliade" – eine "Kammermusikorgie" zum Jahreswechsel
Musik&Theater, Dezember/Januar 2004/5
Interview von Reinmar Wagner

 
     
 
Patricia Kopatchinskaja befragt von Rainer Köhl in Rhein-Neckar Zeitung vom 23.3.2005 vor der Aufführung Violinkonzerts von Alban Berg ("Dem Andenken eines Engels").


Der freie Flug als Ziel


Wenn man Sie auf der Bühne erlebt, dann spürt man eine große Bedingungslosigkeit in Ihrem Spiel, eine große Leidenschaft und Feuer, ein starkes Hineinwühlen und Sich-Ausliefern. Finden Sie dies in den Kompositionen selber oder ist es Ihr persönliches Temperament?

Meine Mutter sagte mir von klein auf, Du musst immer so spielen, wie wenn es das erste und das letzte Mal wäre. So versuche ich immer meine gesamten Mittel einzubringen und gleichsam in der Musik aufzulösen.

Als was empfinden Sie Ihr Spiel? Als Selbstbefreiung? Oder als Möglichkeit in andere Sphären zu gelangen? 
Beides. Ziel wäre der freie Flug. Die Gefahr ist der freie Fall, wie bei Ikarus. Deswegen empfinde ich mein Spiel manchmal als ein Verhängnis...

Gilt das gleiche auf für Ihre Improvisationen?  

Ja, aber ich komme leider zu selten zum improvisieren.

Was reizt Sie besonders an der Neuen Musik? 

Kein Ballast der Tradition hemmt die Phantasie. 

Haben Sie Lieblings-Komponisten, Lieblings-Werke? 
Auf der Bühne versuche ich kritiklos zu sein und das am meisten zu lieben, was ich gerade spiele. Privat liebe ich Beethoven (besonders die Quartette), Schumann (Violinkonzert, spiele ich übrigens bald in Baden-Baden zum ersten Mal), Kurtag (Kafka Fragmente, vierhändige Werke)), Ustwolskaja (Dies irae). Ich liebe auch Mozart, aber nicht alle lieben "meinen" Mozart... Haben Sie eine besondere Beziehung zu Bergs Violinkonzert? Ist es für Sie ein Requiem oder ein Werk der Hoffnung?
Es ist natürlich ein Requiem. Als ich zum ersten Mal von den Künsten des amerikanischen Zauberers David Copperfield hörte, träumte ich davon, das Berg Violinkonzert im Wegfliegen beenden zu können, wie eben der Geist dieses Stückes. Aber! Am 23.3. ist mein Geburtstag. Und ich bin im 3.Monat schwanger. Es muss eine Hoffnung bleiben!!!
 
     
 


Artikel uit De Gelderlander van 06-01-2005

Violiste met orkest dat heel graag wil

Door MADELEINE ROOD

NIJMEGEN - De Moldavische violiste Patricia Kopatchinskaja heeft al met heel wat orkesten gespeeld, overal ter wereld. Aan die lange lijst voegt ze nu het Nationaal Jeugd Orkest toe.

Violiste Patricia Kopatchinskaja (27) is moe. Ze heeft net een druk kamermuziekfestival in Zwitserland achter de rug. Maar dat tempert haar enthousiasme na de repetitie met het Nationaal Jeugd Orkest niet. Ze speelt op een wintertournee met het orkest haar lievelingsstuk: het vioolconcert van Alban Berg.

"Die jonge mensen hebben het licht in de ogen. Ze willen heel graag spelen. Met oudere orkestmusici is dat niet altijd zo. Zij kennen alles al, maar deze jongeren willen het nog zo graag."

De Moldavische violiste heeft al met heel wat orkesten en dirigenten gespeeld. Diverse componisten hebben bovendien stukken speciaal voor haar geschreven. 'Cadeautjes' noemt ze dat.

Vanuit haar woonplaats Bern reist ze de hele wereld over. "Tijd voor mezelf heb ik niet. Het is koffer, hotel, spelen, vliegveld. Het solistenleven is mooi, maar kent ook zijn keerzijde. Je ziet de steden niet. Daar heb ik geen tijd voor. Ik heb geen andere keuze.

Als ik ouder ben, ga ik minder spelen en meer denken."

Toen ze dertien was, trokken haar ouders vanuit Moldova, zoals Moldavië officieel heet, naar Wenen. "Mijn vader was geen communist en had altijd problemen met de partij. Hij wilde een nieuw leven beginnen en ons meer kansen geven. Ik weet ook zeker dat ik in Moldavië geen violiste zou zijn geworden. Mijn lot was dan heel anders geweest; kunst heeft daar geen plek."

Ze speelt sinds haar zesde viool. Haar docenten waren allemaal van de Russische school. Eenmaal in Wenen kreeg ze les van Igor Ozim, die juist niet Russisch georiënteerd was. Ze studeerde in Wenen en Bern, viool en compositie.

Over het vioolconcert van de Oostenrijker Berg (1885-1935) is ze lyrisch: "Ik houd van die muziek. Er zit zo ongelooflijk veel in. Het is ook een van de weinige concerten die ik tijdens mijn studie voor mezelf heb ingestudeerd. Ik speel graag muziek uit de twintigste eeuw, van Berg, Stravinsky of Bartók. Daar voel ik me in thuis. Ik geloof ook dat ik dit stuk van Berg begrijp."

Berg schreef het in 1935 op verzoek van een Amerikaanse violist die hem bezocht. Berg wilde zich liever niet wagen aan een vioolconcert, omdat hij al genoeg voor viool had geschreven en met de opera Lulu bezig was. Maar de nazi's verboden zijn muziek en hij had dringend geld nodig. De 1500 dollar van de Amerikaan kon hij dus wel gebruiken.

Tijdens het componeren werd Manon Gropius, de dochter van Alma Mahler ziek. Ze stierf korte tijd later. Haar ziekte en doodsstrijd beschrijft Berg in het vioolconcert. Hij schreef met dit stuk echter niet alleen een requiem voor haar, maar ook zijn eigen zwanenzang: hij stierf ruim een half jaar later, onverwacht.

Kopatchinskaja: "Dit vioolconcert is het laatste wat hij schreef en Lulu is onvoltooid gebleven. Maar ik ben er ontzettend dankbaar voor dat hij die opera heeft onderbroken om dit te schrijven." Met Bergs muziek vertelt Kopatchinskaja tevens haar eigen verhaal. Want hoewel ze aan een stuk door praat, zegt ze: "Ik communiceer liever met mijn viool."

Wintertournee van het Nationaal Jeugd Orkest o.l.v. Gérard Korsten, met werken van Strauss, Mahler en Berg. Te zien in Apeldoorn (6/1), Nijmegen (8/1), Antwerpen (10 en 11/1), Enschede (12/1), Tilburg (13/1) en Utrecht (16/1). Voor informatie:. www.njo.nl.

 
     
 

Reinmar Wagner befragt Patricia Kopatchinkaja, Musik&Theater , Dezember/Januar 2004/5

"Rüttihubeliade" – eine "Kammermusikorgie" zum Jahreswechsel

Wie ist die Idee zu diesem Festival entstanden?
Mit einigen in der Welt zerstreuten Freunden machen wir seit Jahren Kammermusik, nur für uns. Aber es ist schwierig, alle zu einer Zeit an den gleichen Ort zu bringen. Mit einem Festival können wir diese Kammermusiktätigkeit ausbauen. 

Warum gerade Rüttihubelbad? Was macht diesen Ort besonders?
Weil wir im Rüttihubelbad offene Ohren für diesen Plan fanden. Und es hat einen schönen Saal mit modernster Technik, einen neuen grossen Steinway-Flügel, Probenräume, Hotel, Restaurant und daneben ein gemütliches altes Ferienheim für Kinder wo wir Musiker „en famille“ wohnen können.   

Spielt es für Sie und das Festival eine Rolle, dass dieser Ort von Anthroposophen geprägt wird?
Würden Sie diese Frage auch stellen, wenn wir z.B. in der Luzerner Jesuitenkirche spielen würden? Aber im Ernst, es gibt bei den Anthroposophen Idealismus und Sinn für Kunst. Vielleicht ist es kein Zufall, dass mein Traum dort Wirklichkeit werden konnte. Der Konzertsaal mit seinen abgerundeten Wänden hat übrigens eine ideale Akustik für Aufnahmen. 

Wirkte das Gidon Kremer-Festival im österreichischen Lockenhaus ein wenig als Inspiration?
Kremer ist eine Grösse, mit der man sich nicht vergleichen soll. Nein, den Mut haben wir vor allem am West Cork Chamber Music Festival in Irland bekommen. Dieses wurde vor zehn Jahren von einem musikbesessenen Grossbauer, einem pensionierten Flugkapitän und einigen jungen Musikern angerissen, in einem ganz abgelegenen Schloss. Während einer Woche gibt es vier Konzerte pro Tag. Sie sind ausverkauft, trotz einem avantgardistischen Programm und trotz, oder gerade wegen einer eigentlich unprofessionellen Leitung, die sich ausschliesslich an Liebe zu Musik orientiert.     

Warum motiviert die Aussicht stärker, ohne Gage und dafür mit Freunden zu spielen?
An „normalen“ Festivals muss man oft Stücke spielen, die einem nicht liegen, und manchmal mit Musikern, mit denen man sich nicht versteht. So spielt man unter dem möglichen Niveau. An der Rüttihubeliade spielen wir nur das, was uns interessiert, zusammen mit Freunden. So spielt man besser als sonst. Das ist der Lohn. Und wenn genug Publikum kommt, werden wir sogar kleine Gagen zahlen können.  

Neben den Vorlieben der eingeladenen Künstlern und den vorgegebenen Besetzungen. Woraus ergibt sich das Programm?
Aus nichts anderem. Wir haben kein Konzept, ausser, dass wir das Repertoire der „Sonatenabende“ meiden.  

Mit Ivan Sokolov und Boris Yoffe sind zwei Komponisten auch als Musiker am Festival präsent. Welche Vorteile und Nachteile ergeben sich daraus?
Beide Komponisten spielen auch in der Kammermusik mit. Komponisten spielen anders als „normale“ Musiker, oft analytischer, deutlicher. Wenn z.B. Boris Yoffe in einem Streichquartett die Bratsche spielt, so beginnen die Nebenstimmen sinngebend zu leuchten, wie man es sonst nie hört.  

Ivan Sokolov ist Gastkomponist und bringt auch eine Uraufführung mit. Wo könnte man seine Musik stilistisch einordnen?
Ivan bringt zwei Uraufführungen, das Klavierquintett und das musikalische Kindermärchen. Er ist ein hochgebildeter, frommer und geistreicher Surrealist, eine Kombination wie sie nur Russland hervorbringt. Er ist in vielen Stilen zuhause, wie Schnittke. Vor drei Jahren komponierte er ein Stück „Heimat“, das wir an der Rüttihubeliade auch bringen werden. Was er über dieses Stück schrieb, sagt auch einiges über ihn und sein Denken: „In diesem Werk wollte ich mit den einfachen Mitteln etwas allgemeines und sozusagen "Kluges" sagen... Was denn? Wenn ich das jetzt sage, beschränke ich das Hören dieses Stückes auf gerade diese Idee. Vielleicht gibt es aber noch andere Aussichtspunkte? Die Musik komponieren vielleicht mehrere "Komponisten" - 1.) Gott, 2.) "Komponist", 3.) Die Notation, die von einem Mönch Guido erfunden wurde, 4.) Instrument, 5.) Interpret, 6.) Akustik, - und 7.) - der Zuhörer selbst! Alle beeinflussen das Endresultat der Musik, das in den Seelen der Zuhörer entsteht!

Wie kriegt man es zusammen, soviele Programme und Werke in so kurzer Zeit zusammen aufzuführen? Für Proben bleibt während des Festivals ja kaum Zeit. Ist das Unvollkommene eingeplant?
Wir proben ab Mitte Dezember. Der Einsatzplan während des Festivals sieht aus wie in einem militärischen Kurs, - von Morgen bis in die Nacht nur Proben, Spielen, Essen, Schlafen. Eigentlich eine Orgie. Aber eben dafür kommen wir ja zusammen. Unvollkommenheit gehört zu einem solchen Festival. Wer erstarrte apollinische Vollkommenheit sucht, soll eine CD kaufen. Wer Experiment und Risiko sucht und das lebendige dionysische Feuer, der ist bei uns am richtigen Ort, - ich komme aus einem weinbauenden Land.

 
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